Der 2. Fehl-Stich
Zum allgemeinen Verständnis
A. Wir sind Gegenpartei, gemeint ist an dieser Stelle der 2. Fehlstich, bei dem wir als Gegenpartei Aufspiel haben.
B. Der 2. Stich beantwortet also entweder die Eröffnung des Spielpartners oder ist das 2. Aufspiel des gleichen Spielers. In beiden Fällen meinen wir das Öffnen einer neuen Farbe sein oder das Rückspiel der geöffneten Farbe.
B. Zwischen dem 1. und dem 2. (Fehl) Stich können natürlich andere Stiche liegen. Wenn der Alleinspieler nämlich die aufgespielte Farbe übernimmt oder sticht.
Zu den konkreten Fragen
Unter Umständen hört man nach einem Spiel, das der Alleinspieler gewinnt: „Warum hast du im 2. Stich nicht die Farbe zurückgespielt, die ich geöffnet habe. Ich habe sie doch gefordert.“
Ähnlich, nur allgemeiner, ist dieser Satz, den z.B auch einer der besten Skatspieler der Welt zu diesem Thema sagt: „Immer, wenn du keine bessere Idee hast, dann solltest du die Farbe zurückspielen, die dein Mitspieler gefordert hat.“
Beide Sätze führen den Einsteiger in die unbefriedigende Situation, dass er immer die aufgespielte Farbe zurückspielt. Eine bessere Idee hat er nicht und die Standardfrage kann er auch nicht beantworten.
Im Grunde ist es nicht schwer. Mit seinem 1. Ausspiel setzt der Partner ein Signal, in welche Richtung er das (Gegen)Spiel gestalten will. Wenn wir nun das erste Mal rauskommen, wollen wir dieses Signal erwidern. Wir möchten es entweder verstärken oder einen anderen Akzent setzen. Das sind die inhaltlichen Aussagen der beiden Standardsätze.
Allerdings erscheint es unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet beim Thema 2. Fehl-Stich so etwas gibt wie ein Universalrezept für alle Spielsituationen. Welches Signal ausgestrahlt wird, wie wir es verstehen und beantworten, ist ja nicht eindeutig.
Das zeigen unsere drei 1. Stiche mit plausiblen Fortführungen
Steckbrief
Besonders zu beachten
SIgnale des Mitspielers verstehen
Farbe wechseln oder zurückspielen
Typische Erfolgsbarrieren
Die Signale sind nicht eindeutig oder missverständlich; die Bandbreite der Möglichkeiten anfänglich zu groß
Der Lerneinstieg:
Immer überlegen: Was will mein Partner mir mitteilen?
und
Was will ich meinem Partner mitteilen?
Hinweis: Unsere 2. Stiche sollen nur einige Gedanken verdeutlichen, die man sich typischerweise macht, um das erste Aufspiel zu „interpretieren“. Welche Entscheidung man trifft, kann man i.a.R. aus dem einen Stich nicht ableiten. Entscheidend für die eigene Spielverbesserung ist zunächst das Bewusstsein, dass die Karten nicht zufällig auf den Tisch fallen und das auch nie tun sollten. Wenn man sich dem Spiel so nähert, wird man relativ schnell besser spielen.
Fall 1:
Pik ist Trumpf, der Partner öffnet mit Kreuz 7, wie legen in MH das Ass, der AS in HH sticht die geöffnete Farbe, wir dürfen in Stich 3 aufspielen
Was sagt uns das Aufspiel?
Unser Partner weiss im ersten Stich nicht, wer das Kreuz Ass hat. Da er uns im 1. Stich keine 10 kaputt spielt, muss er entweder selber die 10 haben. Oder der Kreuz war blank. Oder unser Mitspieler hat keine gute Signalkarte.
Unsere Einschätzung – Rückspiel oder Farbwechsel – erfolgt über die eigene Karte. Welche Idee erscheint plausibel. Lang oder blank?
Dabei hilft uns: Wie viele Trumpf habe ich? Wie viele Kreuz habe ich?
Ein Farbwechsel im 2. Fehlstich ist i.a.R. besser.
Denn…
1. Jetzt sitzt der AS in der Mitte; eine neue Farbe klärt die Karte besser
2. Das erneute Aufspielen der 1. Farbe kann einen günstigen Abwurf erzeugen (wenn der 2. Volle der Farbe im Stock liegt)
Ausnahme: Die Chance besteht, das Spiel durch Trumpf trennen oder auf Stich setzen zu gewinnen.
Sollte der Spieler von Stich 1 erneut aufspielen dürfen, ist ein Farbwechsel zwingend. Dann gilt auch nicht mehr „Ich spiel dir kein 10 kaputt“
Fall 2: Gleiche Situation, aber der AS in HH wirft ab, wir spielen in Stich 2 auf
Was sagt uns das erste Aufspiel? Wenn wir selber keine Kreuz 10 haben, wird diese wahrscheinlich im Stock liegen. Denn bei Ass und 10 von Kreuz hätte VH eine der beiden Karten aufgespielt. Das Aufspiel wird also lang unterm Ass erfolgt sein (Wenn wir selber das Ass haben, sollten wir es in Stich 1 legen, es sei denn, wir haben die Farbe 5 x )
Unser Partner sieht offenbar Chancen, sein Kreuz Ass später zu schmieren. Wenn wir selber die Kreuz 10 haben, müssen wir unsere Karte prüfen und entscheiden: 10 im 1. Stich legen oder nicht. (s. dazu auch „Der 1. Fehlstich“)
Der Farbwechsel auf Herz muss nicht besser sein als das Rückspiel der gleichen Farbe. Der Abwurf kann bedeuten, dass der AS will, dass wir die abgeworfene Farbe nachspielen. Typisch für z.B. 6 x Trumpf, 2 x Ass mit Lusche oder 5 x Trumpf mit 2 x Ass und 1 bzw 2 Luschen. Wenn wir selber kurz in Trumpf sind, ist ein Rückspiel oft besser. Es besteht die Chance, dass wir gewinnen, weil der AS zu kurz kommt.
Ein Rückspiel der gleichen Farbe ohne Kreuz 10 in der Hand ist im Gegensatz dazu schon fast Spielaufgabe. Denn der AS wird auch im 2. Stich abwerfen. Er hat dann zwei schlechte Karten entsorgt, die Gegenpartei hat keine 20 Augen, der AS mindestens 10 Augen gedrückt.
Die dritte, unbekannte Fehlfarbe sollte man nicht öffnen: Wenn der AS auf die Farbe A die Farbe B abwirft, wird er in Farbe C stark sein (A-B-C-Regel).
Fall 3: Der AS in HH legt das Ass der Fehlfarbe
Was sagt uns das erste Aufspiel? Wenn wir selber 1 oder 2 Herz haben, war das Aufspiel von der langen Farbe und das Ass des AS vielleicht blank. Wenn wir 3 Herz oder mehr haben, dann war das Aufspiel voraussichtlich blank. Oder unser Partner hat keine aussagefähige Karte zum Aufspiel.
Eine Hilfestellung ist jetzt der erste Trumpfstich. Bleibt unser Partner unter dem ausgespielten Trumpf und schmiert auch nicht, ist das ein starkes Indiz für „Blank ausgespielt“, sofern wir den Drilling haben.
Das Rückspiel der blank aufgemachten Farbe ist häufiger falsch als man denkt. Hat man weniger als 3 Trumpf und/oder macht man in Kreuz noch einen Stich oder vielleicht sogar 2, sollte man überlegen. Es ist natürlich verlockend, einen Stich zu erzeugen wie z.B.
10-Lusche-Schmierung und danach
Lusche – Dame – Abwurf/Abstich
oder
Dame -10 – Abstich
Wenn das aber einen Trumpfstich kostet, ist es oft falsch.
Die Öffnung einer neuen Farbe ist oft auch deshalb sinnvoller, weil unser Partner dann leichter sieht, welche Farbe er später schmieren soll.
Entscheidungshilfen
Folgende Aspekte sind in der Praxis oft wichtig.
1.Wo sitzt der AS in dem Stich 2: In Mittelhand (MH) oder Hinterhand (HH).
2. Habe ich voraussichtlich mehr Trumpf als mein Partner oder nicht?
3. Mache ich in der Farbe, die ich zurückspiele u.U. noch einen Stich oder kann ich in der Farbe gar keinen Stich mehr machen?
Der 1. Aspekt: Wo sitzt der AS?
Sitzt der AS in HH und mein Partner hat blank ausgespielt, muss und wird der Partner i.a.R. vorstechen. Dabei sticht er u.U. ins Leere; der AS kann eine Lusche oder ein Bild zugeben.
Der 2. Aspekt: Wie viele Trumpf habe ich?
Wenn ich voraussichtlich mehr Trumpf habe als mein Partner, wird er – so er kann – blank ausgespielt haben. Dann macht das Rückspiel der gleichen Farbe oft Sinn. Mein Partner will sich offensichtlich in Trumpf einkürzen, auch wenn er keinen Vollen fängt.
Wenn ich wahrscheinlich weniger Trumpf habe als mein Partner, sollte ich die Farbe – wenn überhaupt- nur zurückspielen, wenn der AS in MH sitzt.
Der 3. Aspekt: Mache ich in der Farbe einen Stich?
Oft ist die Kartenverteilung so, dass man selber mit seinem Drilling noch einen Stich machen kann, wenn der AS im Laufe des Spiels diese Farbe öffnen muss. In diesen Fällen sollte man ebenfalls die Farbe wechseln.
Für alle drei Aspekte werden unter „Beispiele: Der 2. Stich“ Spiele eingestellt werden, bei denen man die verschiedenen Gedankengänge und Konsequenzen nachvollziehen kann.