Das Reizen

Das Reizen am Tisch – die Versteigerung – ist die erste verbale Information am Tisch. Darum gilt es die Reizungen genau zu beobachten und sich zu konzentrieren, selbst wenn man keine eigenen Wortbeiträge hat.

 

  • Die Grundregel: Sagen / Halten /Passen
    Der Spieler, der spricht, nennt als höchstes Reizgebot seinen Spielwert. Er sagt also „22“, wenn er ein einfaches Pik Spiel hat. Danach passt er.
    Der Spieler, der hört, passt, wenn er seinen Reizwert hört. Er passt also, wenn ihm „22 gesagt wird“, er hält sie nicht mehr.
  • Ausnahme 1: Die Hebereizung
    22 zu sagen und anschließend zu passen oder auf 22 zu passen, bedeutet nicht unbedingt „Pik“. Möglich ist auch, dass die Reizung lediglich das 20er Spiel, also einen einfachen Herz verhindern will. Der reizende Spieler will „nur den Herz einfach“ rausnehmen
  • Sonderregel 2: Auslassen von Reizwerten durch Sprungreizung
    Die Sprungreizung gibt es in Varianten: Man lässt entweder Reizwerte aus, z.B. die 20 – die 30 – die 40. Dieses Reizverhalten steht für „Herz frei“. Es gilt nicht gerade als sportlich.
  • Sonderregel 3: Ass Anzeige durch Sprungreizung:
    Das Gegenstück ist das Betonen von Farben: Man reizt 18-27-36. Diese Reizformung steht i.a.R. für das Anzeigen der starken Farbe, im Beispiel also für Karo. Es wird darum auch als Ass- Anzeige tituliert.
  • Die Sprungreizung durch Auslassen etlicher Reizwerte
    Am Tisch erlebt man häufiger, dass untere Reizwerte gar nicht genannt werden. Zum Beispiel MH passt, HH sagt 30 und bekommt das Spiel. Auf diese Art verhindert HH, dass MH eine Information über starke Farben von VH erhält.

 

Sehr viel wichtiger als die Reizregeln sind die Informationen, die mit dem Reizen verbunden sind: Wer hat ein Spiel? Wie hoch reizt er das Spiel? Was bedeuten die Reizwerte für das eigene Spiel?
Als Faustregeln kann man sich merken.
1. 3 x Gewinnspiele sind selten am Tisch.
2. Je höher die Reizung, desto ausgeprägter der Kartenstand.

Oft hängt das Reizverhalten am Tisch auch von der Spielsituation des Spielers oder der Mannschaft ab. In diesen Fällen ändert sich die Risiko-Skalierung. Die Spieler werden deutlich defensiver oder deutlich offensiver zu Werke gehen.

 

Typische Risikofrage: Wenn man hier in VH für 33 nicht ans Spiel kommt, will man dann den Pik Hand und ggf. den Grand riskieren? Was passiert, wenn MH mehr als 36 sagt? Kann MH beide roten Buben haben und ein Handspiel reizen? Oder reizt er einen Null Ouvert mit den roten Farben und den roten Buben? Die Chancen auf verteilte Buben oder den Herz Buben im Stock sind da …

Steckbrief

Besonders zu beachten

Die Reizgebote sind die ersten konkreten Hinweise im Spiel für
Kartenverteilung
Mögliche Aufspiele
Karten im Stock

 

Typische Erfolgsbarrieren

Die Reizregeln werden manchmal über „interpretiert“

 

Der Lerneinstieg:

Zu Hausen üben

 

Was soll ich sagen?

Diese Karte ist nicht besonders stark und wird von vielen Spielern gar nicht gereizt werden. Vertretbar in MH ist eine 27 Reizung (man sagt also noch 27), um das Kreuz Einfach aus dem Spiel zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass VH ein Karospiel reizt, ist relativ gering. Danach sollte man aussteigen.

In HH sollte man zunächst hören, ob MH und VH Gebote abgeben. Ist dies der Fall, sollte man sich – zumindest als solider Spieler – raushalten. Die Wahrscheinlichkeit einer unrunden Kartenverteilung ist angesichts der eigenen Karte relativ hoch, wenn zwei Parteien reizen. Bereits ein einfaches Pik Spiel auf der einen Seite und /oder ein einfaches Kreuz Spiel auf der anderen Seite könnten uns erhebliche Mühe bereiten.

Gibt MH kein Gebot ab, kann man wieder eine 27er Reizung vretreten. Verpflichtend ist sie aber nicht. Man kann es auch bei 22 bewenden lassen,um den Schwarzen Buben noch integrieren zu können. Passen sollte man nicht.

In VH wird man ohne Reizgebot das Spiel – mit optimistischer Erwartung – annehmen. Wird man von MH angereizt, kann man ein Passen auf 20  vertreten, vorsichtige Spieler passen wahrscheinlich direkt.

Was soll ich sagen?

Ein starker Ansatz, der mit etwas Glück zu einem Grand mutiert. Muss man aus MH zuerst sprechen, wird man das einfache Herz Spiel auf jeden Fall rausnehmen wollen, bis 24 wird man das Spiel wohl immer reizen. Auch beim Kreuzspiel gibt es 10 gute Findungen. Wenn VH auch die 24 hält, muss man sich wohl – schweren Herzens – verabschieden. Man wird das Spiel für 27 nicht bekommen (und man wird es dann auch nicht haben wollen gegen eine Kreuz Reizung), einen Herz gegen 2 sollte man nicht verhindern. (Denn dieses Spiel würde ja ohne Fehl Ass gereizt sein, ergo eine entsprechende Herz Länge haben)

Sitzt man in HH und MH und VH reizen, kann man eine Einmischung – je nach Lage und Stand – bis auf 33 vertreten (Man sagt noch 33 und nimmt den Herz gegen 2 aus dem Spiel). Weiter zu reizen, bleibt ein Wagnis. Man kann nicht mehr viele Spiele rausnehmen und das Verlustrisiko steigt. Ob man in HH weiter als 36 reizt, ist „Privatsache“.

In VH wird man je nach Lage wohl auch den Null Ouvert rausnehmen wollen und den Grand risikieren. Er ist kein „Gemälde“, aber mit etwas Hilfe im Stock kann es gut klappen.

Was soll ich sagen?

In allen Positionen wird man immer 22 sagen, auch der Pik Hand mit einer 33er Reizung ist vertretbar.